7. Januar 2022

Frag den Profi – All About Health: Physiotherapie und Gesundheit auf YouTube

Ein neues Interview unserer Reihe wartet auf dich: #FragdenProfi

In dieser Episode sprechen Joyce Regnier von Praxis-Profi und Lisa-Marie -examinierte Physiotherapeutin und angehende Ernährungsberaterin – über ihr Vorhaben, Themen wie Physiotherapie und Gesundheit auf ihrem YouTube-Kanal All About Health einfach zu übermitteln und mit ihren Tipps das Gesundheitsbewusstsein der Zuschauer zu stärken.

Wie ist ihr Kanal entstanden? Wie war ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin? Und wie sieht sie die Zukunft der Physiotherapie?

Schau dir unser Interview an:

Was steckt hinter All About Health?

Joyce: 

Hallo und herzlich Willkommen zu unserem Format #FragdenProfi. Für das heutige Interview spreche ich mit Lisa-Marie - examinierte Physiotherapeutin und angehende Ernährungsberaterin. Vor einigen Wochen hat sie sich dazu entschieden, ihren einstigen Beauty- und Lifestyle YouTube-Kanal mit über 30.000 Abonnenten neu aufzustellen und somit ihre Berufung hier aufzugreifen - so kam es zu All About Health. Lisa-Marie, stell dich und deinen Kanal doch gerne einmal vor und erzähle uns, wie du überhaupt dazu gekommen bist. 

Lisa-Marie:  

Hallo erstmal! Vielen Dank für die Einladung für das Interview. Wie du schon richtig gesagt hast: Ich bin die Lisa, ich bin noch 25 Jahre alt und ich bin seit letztem Jahr examinierte Physiotherapeutin und mache aktuell auch noch die Ausbildung zur Ernährungsberaterin und bin damit jetzt fast fertig. Ich habe meinen YouTube-Kanal schon 2011 gegründet, also schon über zehn Jahre her. Damals war das Ganze noch so ein Beauty, Fashion, Lifestyle Blog. Mittlerweile habe ich das Ganze etwas umgemünzt: Passend zu meinem beruflichen Werdegang, möchte ich mich jetzt auch online mehr mit dem Thema Gesundheit auseinandersetzen und habe All About Health gegründet.  

Ich habe mich immer weiter von den Themen Beauty, Fashion und Lifestyle entfernt, was meinem Studiengang damals auch geschuldet war - ich habe Biologie auf Lehramt studiert. Mich hat einfach total die Humanmedizin interessiert, die Anatomie des Menschen und da habe ich gemerkt: Okay, ich möchte doch noch mehr in den Gesundheitsbereich und das beruflich doch auch noch anstreben. Genau das möchte ich jetzt auch auf meinem Kanal verwirklichen. Mich fasziniert nun mal der menschliche Körper, die Anatomie, aber eben auch die nicht so greifbaren Dinge wie die Psyche, die Gedanken und die Emotionen und das alles soll All About Health umschreiben, nämlich alles rund um die Gesundheit.

Ich glaube, dass der Aspekt der Ganzheitlichkeit da im Vordergrund steht und das verbinde ich mit All About Health. Das ist jetzt die Plattform für genau diese Themen. Bei All About Health gibt es ganz viele Physio-Themen, es gibt aber auch viele Sachen zum Thema Ernährung, das heißt Rezepte, Kochvideos und weiteres werden folgen. Aber auch typische Krankheitsbilder werden besprochen, einfach um da den Laien auch etwas aufzuklären, da es mir wichtig ist, dass wenn jemand ein Workout macht, zum Beispiel mit Rückenproblemen, dass er auch seine Anatomie ganz grob versteht, um nachzuvollziehen, warum er jetzt welche Übungen machen sollte. Ich glaube, dass ich so Content schaffen kann für Jung aber auch Alt und hoffentlich ein paar Gedankenstöße mitgeben kann. 

Potenzial für Physiotherapie bei YouTube?

Joyce: 

Du bist ja noch ganz frisch mit deiner Kanal-Umstrukturierung gestartet. Wer genau ist denn überhaupt deine Zielgruppe und welchen Mehrwert siehst du denn auch für Praxisinhaber:innen in der Physiotherapie, aber natürlich auch für Physiotherapeut:innen allgemein? Wie viel Potential siehst du überhaupt allgemein in der Plattform YouTube für genau solche Themen? 

Lisa-Marie: 

Also meine Zielgruppe sind hauptsächlich natürlich die Social Media-Nutzer vor allem in unserem Alter, die sich einfach mit kleinen alltäglichen Veränderungen einem gesunden Lebensstil anpassen wollen und einfach langfristig ein gesünderes und glücklicheres Leben haben wollen. Ich denke, dass einfach wirklich alle mehr Achtsamkeit in ihrem Alltag benötigen, sei es die Unternehmensberaterin mit ihren 60 Stunden Home Office oder der Bäckereifachangestellte, der den ganzen Tag bei der Arbeit steht. Ich selbst bin natürlich auch davon betroffen, ich brauche auch viel Bewegung in meinem Alltag. Als Physiotherapeutin stehe ich auch die meiste Zeit des Tages an der Bank und behandle. Ich denke einfach, dass YouTube da eine sehr praktische Plattform ist, weil jeder kostenlos und einfach Zugriff darauf hat. Das heißt, wir müssen uns nicht extra ins Fitnessstudio schleppen, um mal eine halbe Stunde ein Workout zu machen.

YouTube ist eine tolle Plattform, weil es so einfach zu handhaben ist. Jeder kann es kostenlos nutzen, jeder hat Zugriff darauf und man kann sich einfach ohne ins Fitnessstudio zu quälen, zu Hause, wenn man sich mal kurz von der Couch runterrollt, noch mal aufraffen und ein bisschen Sport machen. Deswegen glaube ich, dass tatsächlich YouTube fast für alle Generationen ein Mittel ist. Ich denke auch sogar, dass unsere Eltern in der Lage sind, YouTube zu nutzen über den Fernseher oder den Computer und auch von zuhause Sport machen können.  

Ich glaube tatsächlich, dass YouTube für Praxisinhaber:innen an sich auch eine gute Werbeplattform ist, um Werbung für die eigene Praxis zu machen. Ich meine, es ist ja an sich kein großer Aufwand, vielleicht ein Video alle zwei Wochen zu posten, wo man irgendwelche alltäglichen Übungen zeigt, und so kann man ja auch auf sich aufmerksam machen. Ich glaube aber tatsächlich, dass mittlerweile Plattformen wie Instagram fast praktischer sind in unserer Generation, weil die Welt einfach so schnelllebig geworden ist, dass die Leute sich nicht mehr wirklich die Zeit nehmen und sich zehnminütige Videos anzugucken. Dann wird doch lieber schnell mal ein Reel oder ein Tik Tok durchgeklickt. 

Ausbildung in der Physiotherapie

Joyce: 

Wie genau lief deine Ausbildung zur Physiotherapeutin ab? Da gibt es ja mittlerweile sämtliche Modelle, für welches hast du dich entschieden und wie hast du die gesamte Ausbildung erlebt? 

Lisa-Marie: 

Also ich habe meine Ausbildung an einer staatlichen Schule absolviert, damals auch aus den Gründen, da ich kein Geld dafür hatte, um mir 300 Euro im Monat für eine andere Schule zu leisten. Ich war damals auch der erste Jahrgang, der dann Gehalt in der Ausbildung bekommen hat. Gott sei Dank, es war großes Glück für mich, so musste ich dann nicht mehr am Wochenende und nach der Arbeit noch in einem Eiscafé jobben, was ich am Anfang noch gemacht habe. Meine Ausbildung war so aufgebaut, dass ich täglichen Praktikumseinsatz hatte. Das heißt, ich war immer morgens von 7 bis 9 Uhr im Unterricht, hatte dann für drei Stunden Praktikum in der Universitätsklinik. Das heißt, ich hatte wirklich direkt ab dem ersten Semester, eigentlich schon nach den ersten drei Monaten, direkten Patientenkontakt und wurde sozusagen auf die Meute losgelassen und durfte direkt üben, was super klasse war. Danach hatte man immer dann von 12:30 Uhr bis oft auch abends 17:30 Uhr Unterricht. Also es waren wirklich immer ziemlich lange Tage.

Bei uns an der Schule war es so, dass wir in drei Jahrgänge aufgeteilt waren, das heißt wir waren drei Klassen, drei Semester - was ich persönlich super toll fand. Also ich fand es total schön, dass das ganze so familiär gestaltet war. Wir konnten auch Sommerfeste und Weihnachtsfeste zusammen gestalten vor Corona und das war was ganz anderes als zum Beispiel im Studium. Also das habe ich sehr geschätzt an der Ausbildung und ich glaube, dass das auch sehr wichtig ist, gerade in unserem Beruf, weil wir wirklich auch ab dem ersten Semester sehr viel Körperkontakt haben. Man hat direkt klassische Massage im ersten Semester und muss sich gegenseitig anfassen und wenn man sich dann nicht gut kennt und sich nicht wohl fühlt, ist das keine gute Voraussetzung. 

Joyce: 

Das glaube ich dir auf jeden Fall, vielleicht auch noch mal zu dem Thema Ausbildung/ Studium: Aktuell ist die Vollakademisierung der Therapieberufe ja immer wieder ein großes Thema innerhalb der Branche, aber auch innerhalb der Politik. Wie siehst du das allgemein und warum hast du dich zum Beispiel auch gegen ein Studium entschieden? 

Lisa-Marie: 

Also grundsätzlich kann ich sagen, dass ich das wirklich gut und auch dringend notwendig finde, dass es in Deutschland die Akademisierung gibt, so dass die Physiotherapie einfach auch einen höheren Stellenwert in Deutschland bekommt. Denn mit dem deutschen Staatsexamen hat man aktuell ja wirklich eigentlich gar keine Chancen auch im Ausland zu arbeiten und das würde natürlich ein Bachelor-Abschluss ermöglichen. Hinzu kommt ja auch, dass ein wissenschaftliches Studium eben ein evidenzbasiertes Arbeiten fördert und ich glaube, das sollten wir als Physiotherapeut:innen auf jeden Fall immer als Ziel verfolgen, dass wir nach den aktuellen Studien behandeln und natürlich auch die medizinischen Erkenntnisse weiterentwickeln und uns danach richten.

Die Frage ist nur immer, ob ein Studium eben auch den praktischen Anteil von einer Ausbildung gewährleistet und abdecken kann. Da habe ich manchmal so ein bisschen meine Sorge, dass es dann einfach viel zu viel Theorie ist, weil ein großer Teil unserer Fächer sind nun mal Manuelle Therapie oder andere Techniken, wo wir nun mal Hand anlegen müssen, da wir ja später auch am Patienten arbeiten. Da könnte ich mir vorstellen, dass das Ganze vielleicht etwas zu theoretisch ist.

Das war aber an sich nicht der Grund, warum ich mich persönlich gegen ein Studium entschieden habe. Bei uns gab es die Möglichkeit auch ein duales Studium zu absolvieren an einer Partnerschule, was ich auch am Anfang begonnen hatte. Das wäre allerdings kein Bachelor in Physiotherapie gewesen, sondern ein Bachelor in Gesundheit und Pflege und da sich während meiner Ausbildung einfach auskristallisiert hat, dass es sich für mich nicht lohnt, diesen Bachelor zu machen, habe ich gesagt: Okay, das wären nochmal anderthalb Jahre Zeit nach meiner Ausbildung, die ich investieren müsste. Das lohnt sich nicht und das ist nicht der Weg, den ich einschlagen möchte. 

Social Media in der Physiotherapie

Joyce: 

Ich finde das total spannend, was es einfach für verschiedene Wege gibt, da musste ich selber manchmal am Anfang, als ich mich mit dem Thema befasst habe, erstmal ein wenig durchblicken. Deswegen spannend, wie du dich entschieden hast.   

Wir beide gehören ja auch eigentlich eher zur jüngeren Generation mit Mitte 20 und für uns ist YouTube bzw. Social Media allgegenwärtig und auch selbstverständlich. In der Physiotherapie allgemein gibt es da natürlich noch einige Hindernisse zu überwinden, gerade auch in der älteren Generation. Wo siehst du denn hier die Chance durch die Digitalisierung und gerade auf Social Media, um sich innerhalb einer Praxis besser aufzustellen, aber auch im Allgemeinen die Attraktivität des Berufes zu steigern? 

Lisa-Marie:  

Also ich denke heutzutage ist Social Media einfach mit die beste Möglichkeit, wenn man etwas in der Welt verbreiten möchte - sei es jetzt erst mal egal was, zum Beispiel Werbung, wie wir vorhin schon gesagt haben, für die eigene Praxis oder eben auch der Aufruf an die Nachwuchsgeneration, an die jungen Leute, die jetzt überlegen: Was mache ich denn für eine Ausbildung? Um einfach ein bisschen Werbung für die Gesundheitsbranche zu machen, denn das ist ja bitterlich nötig. Ich glaube, da hat Social Media gerade Tik Tok, Instagram und Co auf jeden Fall einen großen Mehrwert. 

Joyce: 

Du hast ja auch ein Video zu dem Thema: Wie war meine Ausbildung, wie lief die ab? Das verlinke ich natürlich sehr gerne, weil ich glaube, das ist gerade für die Leute interessant, die überlegen, dem Beruf nachzugehen, sich vielleicht aber noch nicht sicher sind, was gibt es überhaupt für Modelle?  

Selbstständigkeit + Zukunftsgedanken

Joyce:

Super interessant. Ich habe eigentlich nur noch eine Frage an dich: Wie siehst du denn deine Zukunft oder wie stellst du dir diese vor? Wie stehst du vielleicht auch zum Thema Selbstständigkeit? Das ist nämlich auch ein Thema, was wir oft bei Praxis-Profi aufgreifen und natürlich auch die Frage, was dürfen wir weiterhin auf deinem Kanal erwarten? Was denkst du vielleicht auch, wird sich innerhalb der Physiotherapie-Branche in Zukunft und in den nächsten Jahren ändern?  

Lisa-Marie: 

Also meine Wunschvorstellung ist es, dass ich mich langfristig mit einer kleinen Praxis selbstständig mache, damit ich einfach meine Arbeitszeiten flexibel gestalten kann, so dass ich dann Familie und Beruf gut vereinen kann und ich möchte vor allem, das ist auch mit der Hauptgrund, warum ich mich selbstständig machen möchte, meinen Patienten einen Wohlfühlort schaffen, indem ich ihnen mehr Raum und vor allem mehr Zeit schenken kann für eine ganzheitliche Betrachtung und auch Behandlung ihrer gesundheitlichen Probleme oder halt zur Prävention. Ich möchte einfach eine Unterstützung sein auf ihrem persönlichen Weg in Richtung einer Heilung und ich glaube, dass ich das Umsetzen kann, wenn ich selbstständig bin - einfach weil ich dann das Ganze freier gestalten kann.  

Neben der persönlichen Beratung dann vor Ort irgendwann und der Behandlung, wenn ich mir den Traum mal erfülle, möchte ich aber auch das Ganze natürlich online jetzt gerade zu Beginn anbieten können. Da das ganze einfach ortsunabhängig ist und ich glaube auch langfristig sinnvoll ist, denn gerade in der Physiotherapie sieht man ja, dass oft 20 Minuten als Behandlung nicht ausreichen, wenn man dem Patienten aber noch was mitgeben kann, was sie dann zu Hause online durchführen können, glaube ich, dass das die langfristige, richtige Lösung ist, um wirklich zu heilen.  

Praxisgründung? Das musst du wissen

In unserem Ratgeber erfährst du, was du bei deiner Existenzgründung beachten solltest.

Nicht nur auf mein eigenes Business bezogen, sondern generell auf die Physiotherapie, denke ich, dass es da auch langfristig Veränderungen geben muss, um kontinuierliche Verbesserung bei den Patienten feststellen zu können. Auch da reichen wie gesagt diese 20-25 Minuten maximal nicht aus, um den Patienten ganzheitlich zu betreuen. Meistens gibt es ja nur sechs Termine auf einem Rezept, deswegen glaube ich auch da, dass man Online-Beratung und -behandlung auch anbieten kann. 

Eine Sache wollte ich noch sagen: Ich glaube, dass es sich auch bei der Physiotherapie immer mehr in die Richtung entwickelt, dass der Therapeut eher passiver wird und der Patient eigentlich immer aktiver. Man arbeitet aktuell immer mehr Hands off, das heißt die Patienten müssen selbst ran und Übungen machen. Ich glaube, das Bild verändert sich. Früher war die Physiotherapie oft gleichgesetzt mit der Massage, was wirklich nicht so ist und ich glaube die Richtung wird immer mehr einschlagen, denn Aktivität und Autonomie des Patienten ist einfach Voraussetzung für dessen Heilung. 

Joyce: 

Vielen Dank auf jeden Fall für deine Antworten und allgemein für das Interview. Wir verlinken dir natürlich gerne den YouTube-Kanal und auch den Instagram-Account. Vielen Dank und bis zum nächsten Mal! 

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