25. Oktober 2021

Ergotherapie: Ausbildung und Studium im Überblick

Ob Konzentrationsprobleme in der Schule, Knieverletzungen oder Sprachprobleme nach einem Schlaganfall: Ergotherapeut:innen helfen Menschen mit diesen Krankheitsbildern, ihren Alltag (wieder) zu meistern. Wie auch in anderen Heilmittelberufen sind die Nachwuchskräfte im Bereich Ergotherapie knapp und die Nachfrage nach guten Fachkräften ist groß. Laut ausbildung.de gibt es mehr als 300 freie Ausbildungsplätze als Ergotherapeut:inOptimale Voraussetzungen, um eine Ergotherapie-Ausbildung zu absolvieren – insbesondere, wenn du zusätzlich gern mit Menschen arbeitest und Spaß an Bewegung hast.  

Bei Praxis-Profi findest du alle wichtigen Informationen auf einen Blick: Wie kannst du Ergotherapeut:in werden? Was sind die Voraussetzungen für Ausbildung und Studium? Und welche alternativen Wege gibt es? Das und mehr erfährst du im folgenden Artikel. 

Gastbeitrag von Julia Appelmann

Was ist Ergotherapie? 

Die Ergotherapie ist eine Therapieform, die sich auf die soziale Handlungsfähigkeit von Menschen bezieht. Mit Methoden wie Beratung, besonderen Aktivitäten und Umweltanpassungen hilft sie Patient:innen, (wieder) autonomer zu werden und ihre Lebensqualität zu erhöhen. 

Die Definition des Deutschen Verbands Ergotherapie lautet folgendermaßen: 

„Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Ziel ist, sie bei der Durchführung für sie bedeutungsvoller Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken.“ (Quelle: dve.info) 

Ergotherapie Ausbildung und Studium  

Wie wirst du nun Ergotherapeut:in? Wie so oft führen viele Wege nach Rom. Du hast die Wahl zwischen einer Ausbildung, einem Studium oder kombinierten Modellen.  

Ergotherapie Ausbildung: VoraussetzungenAufbau und Kosten 

Was sind die Voraussetzungen? 

Ergotherapeut:in ist ein klassischer Ausbildungsberuf. Für die schulische Ausbildung benötigst du einen mittleren Bildungsabschluss oder eine vergleichbare anerkannte Alternative. Wenn du bereits eine Berufsausbildung absolviert hast, kannst du die Ausbildung zum:zur Ergotherapeut:in auch mit einem Hauptschulabschluss starten.  

Mögliche Anbieter für die Ausbildung sind sowohl staatliche als auch private Ergotherapie-Schulen. Deshalb können über die gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungsvoraussetzungen hinaus noch weitere Aufnahmekriterien gelten. Dazu zählen beispielsweise ein Vorpraktikum im Bereich der Ergotherapie, ein Praktikum in der Krankenpflege oder ein Freiwilliges Soziales Jahr.  

Wie ist die Ausbildung aufgebaut und was lernst du konkret? 

Die schulische Ausbildung findet sowohl in der jeweiligen Berufsschule als auch in Turnhallen, Übungshallen und Werkstätten statt. Sie umfasst mindestens 4.400 Stunden, wovon 2.700 Stunden auf theoretischen Unterricht und praxisbezogene Fächer fallen. Ergänzend zum Unterricht absolvieren angehende Ergotherapeut:innen Praktika (insgesamt 1.700 Stunden) in beispielsweise Reha-Kliniken, Praxen, Altenheimen oder Förderschulen, um die verschiedenen Arbeitsbereiche und Anwendungsgebiete kennenzulernen. In der Berufsschule erwartet dich eine abwechslungsreiche Vielfalt an Wissen rund um Ergotherapie. 

Das lernst du an der Berufsschule: 

  • allgemeinbildende Fächer
     wie Deutsch, Sozialkunde und Wirtschaft 
  • medizinische Grundlagen
    wie Anatomie, Physiologie, Krankheitslehre, Arzneimittellehre und Erste Hilfe  
  • sozialwissenschaftliche Fächer
    wie Soziologie, Psychologie und (Sonder-)Pädagogik – etwa den richtigen Umgang mit kranken und psychisch angeschlagenen Patient:innen 
  • ergotherapeutische Inhalte
    wie Beweglichkeitsübungen, Bildnerisches Gestalten, Arbeiten mit verschiedenen Materialien und sportliche Spiele (praktische Übungen finden in Übungsräumen, Werkräumen oder Turnhallen statt) 

Ergänzt werden diese Inhalte durch praktische Einblicke in verschiedene Fachbereiche. Die Praxiserfahrung während der Ausbildung vermittelt einen ersten Eindruck vom späteren Berufsalltag. 

Das lernst du in der Praxis: 

  • psychosoziale Inhalte
    z. B. Einzel- oder Gruppenübungen, spielerische und künstlerische Anwendungen zur Förderung emotionaler Fähigkeiten 
  • arbeitstherapeutische Inhalte
    wie Tastaturübungen oder Hilfe bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes zur (Wieder-)Eingliederung von Patient:innen ins Berufsleben 
  •  motorisch-funktionelle Inhalte
    wie gezieltes Muskeltraining, um einer krankheits- oder altersbedingten Einschränkung der Bewegungsfähigkeit entgegenzuwirken 

Wie lange dauert die Ausbildung und mit welchem Abschluss endet sie? 

Die Ergotherapie-Ausbildung ist bundesweit einheitlich geregelt und dauert in der Regel drei Jahre. Im Anschluss an die erfolgreich bestandenen Abschlussprüfungen, erhalten Absolvent:innen die staatliche Anerkennung und die Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung „Ergotherapeutin“  oder „Ergotherapeut“. 

Übrigens: Seit kurzem erhalten Auszubildende unter bestimmten Umständen auch ein Ausbildungsgehalt. Für das Gehalt muss die Ausbildung als Ergotherapeut:in an einer Schule absolviert werden, die an eine Uniklinik in öffentlicher Trägerschaft oder ein kommunales Krankenhaus angeschlossen ist. In dem Fall erhalten Azubis ein durchschnittliches Bruttogehalt von 990 Euro im ersten Ausbildungsjahr, 1.045 Euro im zweiten und 1.120 Euro im dritten Jahr. 

Was kostet die Ausbildung? 

Die Kosten der schulischen Ausbildung sind von verschiedenen Faktoren abhängig und können daher stark variieren. Je nach Schule musst du mit folgenden Kosten rechnen:

  • Aufnahmegebühr
  • monatliches Schulgeld (abhängig vom Bundesland)
  • Lehrmaterial
  • Kosten für ärztliches Gesundheitszeugnis, Impfungen, Arbeitskleidung, etc. 
  • Prüfungsgebühr am Ende der Ausbildung 

Ergotherapie Studium: VoraussetzungenAufbau und Kosten 

Was sind die Voraussetzungen? 

Immer mehr Hochschulen bieten Ergotherapie auch als Bachelor-Studiengang an. Für das Studium benötigst du mindestens die Fachhochschulreife oder einen gleichwertigen Abschluss – etwa eine berufliche Qualifikation. Dazu herrschen in den einzelnen Bundesländern aber unterschiedliche Regelungen. An Hochschulen ist es üblich, dass zusätzlich zu den formalen Voraussetzungen noch weitere Aufnahmekriterien gelten: Neben internen Bewerbungsverfahren können auch bestimmte schulische Leistungen oder Vorpraktika im sozialen oder gesundheitlichen Bereich die Zulassung zum Studium beeinflussen. Das ist auch davon abhängig, ob es sich bei den Anbietern um private oder staatliche Hochschulen handelt.

Wie ist das Studium aufgebaut und was lernst du konkret? 

Bei einem Studium der Ergotherapie steht die Vermittlung wissenschaftlich fundierter Kenntnisse im Zentrum. Häufig sind die einzelnen Seminare international oder auch interdisziplinär ausgerichtet. Ein Studium ist darauf ausgelegt, noch intensiveres Wissen über beispielsweise Beratung, Prävention, Gesundheitsförderung oder neueste Therapiemethoden zu erlangen. Das spezifische Seminarangebot ermöglicht dir darüber hinaus, dich für eine leitende Funktion im Gesundheitswesen und Gesundheitsmanagement zu qualifizieren oder im Bereich Forschung zu arbeiten.

Das lernst du im Studium: 

  • Grundlagen der Ergotherapie, Medizin und Psychologie
  • Behandlungsverfahren in der Ergotherapie
  • Therapieprozess als Ganzes
  • Reflexionsverfahren
  • Strukturen und Funktionen des menschlichen Körpers
  • Ansätze in der Behandlung bei behinderten und verhaltensauffälligen Menschen
  • Anwendungsorientierte Forschung und Qualitätsmanagement
  • zusätzliche Schwerpunktfächer wie Mentoring oder Psychomotorik

Wie lange dauert das Studium und mit welchem Abschluss endet es?

Wie die Ausbildung dauert auch das Ergotherapie-Studium in der Regel drei Jahre beziehungsweise sechs Semester. Das Studium ist grundständig, sprich berufsqualifizierend, ausgelegt und beinhaltet genau genommen sogar zwei Abschlüsse: Neben der staatlichen Anerkennung und Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung Ergotherapeut:in, erlangen Absolvent:innen den akademischen Abschluss Bachelor of Science.

Was kostet das Studium?

Die Kosten des Studiums können zwischen staatlichen und privaten Hochschulen, aber auch zwischen den einzelnen Bundesländern stark variieren. Zudem haben die folgenden Faktoren Einfluss auf die Kosten:

  • Immatrikulationsgebühr
  • Semesterbeitrag bzw. Studiengebühr
  • Lehrmaterial
Weitere Infos zu einer Ausbildung im Heilmittelbereich findest du hier

In unserer Kategorie Ausbildung, Studium und Weiterbildung findest du weiterführende Informationen zu allen Heilmittelbereichen. Einfach durchstöbern!


Alternative Wege zur Ergotherapie

Alternativ zur Ausbildung und zum Studium gibt es noch weitere Möglichkeiten, Ergotherapeut:in zu werden, die wir dir im Folgenden kurz vorstellen möchten:

  • Umschulung im Bereich Ergotherapie: Für die Umschulung gelten dieselben Voraussetzungen wie für eine Ausbildung. Abhängig von der persönlichen Ausgangssituation kann die Finanzierung durch die Agentur für Arbeit, Rentenversicherung oder Berufsgenossenschaft erfolgen.
  • Duales Studium der Ergotherapie: Einige Bildungsträger bieten die Möglichkeit eines dualen/ausbildungsintegrierten Studiengangs an. Neben der berufsfachschulischen Ausbildung in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen werden im dualen Studium der Ergotherapie bestimmte Seminare an der Hochschule belegt. Die Aufnahmekriterien sind ähnlich wie beim grundständigen Studium.
  • Berufsbegleitende Ausbildung als Ergotherapeut:in: Diese Variante eignet sich vor allem für Personen, die bereits in einem verwandten Beruf arbeiten und sich parallel zum Hauptjob weiterentwickeln wollen.
  • Welche Tipps sollten Interessierte beachten?

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      Stärken und Präferenzen prüfen: Du bist dir unsicher, ob der Beruf Ergotherapeut:in zu dir passt? Die Seiten https://portal.berufe-universum.de und www.studifinder.de unterstützen dich bei der Entscheidung anhand von gezielten Fragen zu Stärken und Präferenzen.
    2. 2
      Lass dich unterstützen: Mit Prämien, Gutscheinen und Stipendien unterstützt der Staat berufliche Weiterbildungen. Einen Überblick über die Angebote bietet das DVE-Merkblatt "Ausbildung: allgemeine Informationen und Fördermöglichkeiten".
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      Über das Berufsbild informieren: Welche Aufgaben typisch sind, welche Arbeitgeber infrage kommen und welches Gehalt dich nach der Ergotherapie-Ausbildung erwartet, solltest du schon vor Ausbildungsbeginn wissen. Gute Informationsquellen sind zum Beispiel Steckbriefe zum Berufsbild: https://planet-beruf.de/fileadmin/assets/PDF/BKB/8779.pdf.

    Fazit

    Es gibt viele Möglichkeiten, Ergotherapeut:in zu werden – welcher Weg für dich der richtige ist, hängt von deinen individuellen Voraussetzungen ab. In jedem Fall bringt dich der Beruf jeden Tag in Kontakt mit Menschen und ist voller Abwechslung und Bewegung. Daher ist es von Vorteil, wenn du kontaktfreudig, offen und sportlich bist und Spaß an einem abwechslungsreichen Alltag hast.

    Über die Autorin

    Julia Appelmann arbeitet als freiberufliche Texterin und Lektorin und hat sich auf die Erstellung von Online-Content für die IT- & Digitalbranche spezialisiert. Sie unterstützt Agenturen und KMUs im Bereich IT dabei, komplexe Angebote und Lösungen leicht verständlich zu erklären und online leichter Neukund:innen zu gewinnen.


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